Strom Lexikon
Buchstabe E
Eigenerzeugung
Unter Eigenerzeugung versteht man die Erzeugung von elektrischer Energie in eigenen Anlagen. Hierunter fallen allerdings nicht die Notstromaggregate oder die Erzeugung von elektrischer Energie in Schiffen oder Flugzeugen. Der Strom kann mittels BHKW, Windkraft- und Photovoltaikanlagen erzeugt werden. Die Energie dient meist dem eigenen Bedarf. Über den Lieferanten wird lediglich eine Teilmenge des gesamten Energiebedarfes gedeckt. Wird die Energie an Dritte geliefert, so gilt der Erzeuger auch als Versorger.
Einspeisungsvergütung
Die Einspeisung von regenerativ erzeugtem elektrischen Strom (Solar, Windkraft, etc.) in das allgemeine Stromnetz wird mit einem bestimmten Beitrag pro Kilowattstunde vergütet (z.B. 50,5 Cent pro Kilowattstunde bei Solarstrom).
Eintarifzähler
Eintarifzähler ermitteln den Verbrauch von Strom ohne Berücksichtigung eines Schwachlasttarifes, der nur bei Einsatz eines Zweitarifzählers erfasst wird. Die Verbrauchsmessung läuft über 24 Stunden.
Der Kunde zahlt, egal zu welcher Tageszeit, immer den gleichen Kilowattstundenpreis (Arbeitspreis). Der Eintarifzähler hat die Kennzeichnung HT.
Elektron
Ein Elektron ist ein negativ geladenes Teilchen; die Grundlage der Elektrizität. Wenn sich Elektronen bewegen, fließt elektrischer Strom.
Elektrosmog
Mit Elektrosmog ist die elektromagnetische Strahlung einer Vielzahl von Geräten in die Umwelt gemeint, von der Hochspannungsleitung bis zum Fernsehsender. Durch die ständige Zunahme elektrischer Anlagen, insbesondere durch die Entwicklung der verschiedenen Mobilfunknetze, hat sich der Strahlungspegel in den vergangenen Jahrzehnten ständig erhöht. Über mögliche gesundheitliche Auswirkungen wie Kopfschmerz, Depressionen oder Krebs streiten Experten, einen sicheren Nachweis oder Ausschluss schädlicher Effekte gibt es bislang nicht.
Elektrosmog umfasst nur so genannte nicht ionisierende Strahlung (im Frequenzbereich von rund 30 bis 300 Milliarden Hertz), die die elektrische Ladung von Molekülen im Körper nicht verändern kann. Die aktuellen Grenzwerte sollen in Deutschland so gewählt sein, dass eine nach derzeitigem Wissen schädliche Wirkung sicher vermieden wird. Kritiker verlangen jedoch eine vorsorgliche weitere Absenkung der Grenzwerte wie etwa in der Schweiz.
Mit den gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder befassen sich epidemiologische und experimentelle Studien. Neue Erkenntnisse erhofft sich unter anderem die Weltgesundheitsorganisation von einer großen internationalen Analyse, deren erste Ergebnisse noch in diesem Jahr vorgestellt werden sollen.
Emission
Schadstoffe, die an die Umwelt abgegeben werden, zum Beispiel Luftschadstoffe, Radioaktivität, Staub und Lärm.
Endlagerung
Endlagerung bezeichnet die endgültige Lagerung von Abfällen. Diese Bezeichnung wird insbesondere für radioaktive Abfälle aus der Kernenergienutzung verwendet.
Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen aufgrund der Gefährlichkeit radioaktiver Strahlung für Lebewesen und der hohen Giftigkeit des Plutoniums erfordert höchste Sorgfalt, damit diese Stoffe auf lange Sicht nicht in gefährlichen Mengen in die Biosphäre gelangen können. Als Grenzwert kann man beispielsweise die natürliche Strahlung in höher belasteten Gebieten mit Uranerzvorkommen annehmen.
Vor der Endlagerung werden die Abfälle zunächst - in hochaktive und mittelaktive Abfälle getrennt - entsprechend ihrer Eigenschaften behandelt: Die hochradioaktiven Stoffe werden in Glas eingeschmolzen, die Glasblöcke dann wiederum in einen Edelstahlbehälter eingeschweißt. Die mittelaktiven Abfälle werden in entsprechenden Fässern verpackt.
Die am weitesten verbreitete Idee ist die Lagerung in Tiefen von mehreren hundert Metern, wobei die Lagerstätten so gewählt werden, dass die Schichten geologisch stabil und die Gesteinsart möglichst dicht ist:
Radioaktive Abfälle können durch Kernumwandlung in weniger gefährliche oder stabile Isotope umgewandelt werden, eine solche Technologie bedeutet aber den Umgang mit den Abfällen in der Nähe der Biosphäre und benötigt viel Energie.
Das deutsche Entsorgungskonzept sieht vor, die Beseitigung aller Arten radioaktiver Abfälle durch Endlagerung in tiefen geologischen Formationen durchzuführen. Wieweit dies in einem einzigen Endlager oder getrennt für wärmeentwickelnde und nicht oder nur schwach wärmeentwickelnde Abfälle in unterschiedlichen Endlagern geschehen soll, ist umstritten.
Mit entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurde frühzeitig begonnen. Im Rahmen des zweiten Atomprogramms der Bundesregierung (1963 bis 1967) wurden dann konkrete Schritte zur Realisierung einer Beseitigung der Abfälle unternommen. Im Salzbergwerk Asse wurden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung durchgeführt und von 1967 bis 1978 im Rahmen von Versuchs- und Demonstrationsprogrammen auch radioaktive Abfälle eingelagert.;
Energie
Als Energie bezeichnet man die in einem System oder Körper gespeicherte Arbeit sowie das Vermögen, Arbeit zu verrichten oder Wärme abzugeben. Energie gibt es in Form von Licht, Wärme oder Elektrizität.
Energieeffizienz
Maßeinheit, die beschreibt, welchen Anteil die Endenergie an die eingesetzte Primärenergie besitzt. Die Energieeffizienz ist umso höher, wenn mit einem geringen Energieaufwand ein hoher Nutzen erreicht wird (siehe auch Wirkungsgrad).
Energie wird eingesetzt, um eine Energiedienstleistung zu bekommen (beispielsweise eine warme Wohnung im Winter). Dieselbe Energiedienstleistung kann oft mit unterschiedlich großem Energieeinsatz zur Verfügung gestellt werden. Die Energieeffizienz ist umso höher, je geringer die Energieverluste bei der Gewinnung, Umwandlung, Verteilung und Nutzung von Energie für die jeweilige Energiedienstleistung sind.
Die Energieeffizienz für die Energieerzeugung lässt sich beispielsweise durch Kraftwerke mit höherem Wirkungsgrad oder die gekoppelte Erzeugung von Elektrizität und Wärme erhöhen.
Die erzeugte Endenergie lässt sich beispielsweise durch den Gebrauch von Energiesparlampen sowie durch eine optimierte Wärmedämmung deutlich effizienter verwenden.
Energiekosten
Alle Kosten, die bei der Erzeugung und Verteilung von Energie entstehen.
Energiemix (auch Strommix)
Der Energiemix bezeichnet eine Kombination verschiedener Energiequellen, die die Energieversorgung eines Landes ausmachen. Dabei kann man den Energiemix als eine gewachsene Struktur feststellen oder als zukünftige erwünschte Struktur vorschlagen.
Die derzeitige Stromversorgung Deutschlands basiert in erster Linie auf mit fossilen Energieträgern befeuerten Kraftwerken, Kernkraftwerken, Wasserkraftwerken und Windkraftwerken. Die erneuerbaren Energieträger kommen derzeit für lediglich 12 Prozent der Stromproduktion auf. Der Anteil der regenerativen Energien an der Strombereitstellung soll jedoch bis 2020 auf mindestens 20 Prozent und am Primärenergieverbrauch auf mindestens 10 Prozent gesteigert werden.
Die Energiepolitik kann durch zielgerichtete langfristige Maßnahmen auf einen neuen Energiemix hinwirken.
Wichtig für die Festlegung eines Energiemixes sind sowohl realistische Annahmen für die Verfügbarkeit von Technologien im geforderten Maßstab wie auch die Bezahlbarkeit dieser Technologien durch die Volkswirtschaft, die diese Energiequellen nutzen möchte.
Energiesparlampe
Eine Energiesparlampe ist eine kompakte Leuchtstoffröhre mit einem Edelgas-Quecksilber-Gasgemisch. An den Enden befinden sich Elektroden, die Elektronen aussenden, sobald eine Spannung angelegt wird. Die Elektronen werden zwischen den Elektroden beschleunigt und regen das Quecksilber zum Leuchten an. Dabei entsteht ultraviolettes Licht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist. Trifft dieses ultraviolette Licht allerdings auf die Leuchtstoffschicht an der Innenwand der Glasröhre, wird es in sichtbares Licht umgewandelt. Das Prinzip ähnelt dem des Schwarzlichts, das viele aus der Diskothek kennen: Alles Weiße leuchtet unter Schwarzlicht hell auf. Um die Energiesparlampe zu zünden und den Stromfluss durch die Röhre zu steuern, sind die Lampen mit so genannten elektronischen Vorschaltgeräten ausgerüstet. Sie befinden sich im Sockel der Lampe. Wegen der elektronischen Bauteile im Vorschaltgerät und des Quecksilbers in der Leuchtstoffröhre muss die Energiesparlampe als Sondermüll entsorgt werden. Alte Energiesparlampen werden zumeist von Recyclinghöfen oder vom Händler kostenfrei zurückgenommen und umweltfreundlich entsorgt.
Engpassleistung
Höchste Dauerleistung, die unter Normalbedingungen ausfahrbar ist.
Entry-Exit-Modell
Beim Entry-Exit-Modell zahlt der Energielieferant eine Einspeisungs- (=Entry) und eine Entnahmegebühr (=Exit).
Beispiel: Die EU favorisiert dieses Modell für die liberalisierten Gas-Märkte. Hier soll die Einspeisung und Entnahme (zeitlich und sachlich) unabhängig voneinander sein: Der Gaslieferant speist an einem beliebigen Punkt Gas ein (=Entry) und zahlt die lokal fällige Einspeisegebühr. Der Transportweg ist für die Berechnung der Kosten unerheblich. Zu einem anderen Zeitpunkt kann dann beliebig Gas an verschiedenen Orten entnommen werden (=Exit). Deshalb spricht man auch von einem transaktionsunabhängigen Modell.
EnWG
Energiewirtschaftsgesetz. Das EnWG trat am 13. Dezember 1935 in Kraft und war dazu bestimmt, die Energieversorgung zu sichern. Bis 1998 waren die Energieversorger Vollmonopole. Am 24. April 1998 trat das neue Energiewirtschaftsgesetz in Kraft. Damit wurde der Energiemarkt für den Wettbewerb geöffnet. Die Netzbetreiber wurden verpflichtet, ihr Netz anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen. In der letzten Novelle des EnWG (2005) wurde auch das Zählwesen liberalisiert. Seither müssen außerdem die Netznutzungsentgelte genehmigt werden.
Erdgas
Gasförmiger fossiler Energieträger, der sich aus organischen Stoffen gebildet hat und aus unterirdischen Vorkommen gewonnen wird. Der Erdgasanteil an dem Energieverbrauch beträgt in Deutschland mittlerweile über 20 %. Lediglich Mineralöl (40%) und Kohle (25%) werden häufiger als Stromquelle genutzt, wobei Erdgas als der umweltfreundlichste der drei Energieträger gilt.
Erdöl
Erdöl ist ein zähflüssiges Gemisch aus Kohlenwasserstoffen und hauptsächlich aus tierischen Substanzen der Vorzeit entstanden. Russland, die USA und Saudi-Arabien stellen dabei die Länder mit den größten Erdölförderungen da.
Erdwärme
Erdwärme (auch "Geothermie") zählt zusammen mit Wind-, Solar und Bioenergie zu den vier Säulen der erneuerbaren Energietechnologien. Die Geothermie ist unterhalb der festen Erdoberfläche als Wärmeenergie gespeichert. Unter der Erdoberfläche liegen enorme Energiepotenziale, denn in drei- bis viertausend Metern Tiefe herrschen zwischen 100 und 170 Grad Celsius. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur pro 100 Meter Tiefe um etwa drei Grad Celsius zu. Für die Stromgewinnung aus "Geothermie" muss das Wasser mindestens 100 Grad heiß sein, anderenfalls kann das Wasser für Fernwärme benutzt werden. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe zu. Nach Angaben der Geothermischen Vereinigung Deutschlands strahlt die Erde täglich rund vier Mal mehr Energie in den Weltraum ab, als die Menschheit an Energie verbraucht.
Die klimaschonende Geothermie gehört weltweit zu den am meisten eingesetzten erneuerbaren Energieträgern. In dem an Geysiren reichen Island zum Beispiel sind Öl und Gas für Heizzwecke bis auf wenige Ausnahmen praktisch vom Markt verschwunden. Weltweit werden insgesamt bereits etwa 8000 Megawatt Strom aus Geothermie gewonnen. Vorreiter sind neben Island unter anderem die Länder Mittelamerikas, Neuseeland und Japan sowie Kalifornien und die Toskana. Dort waren bereits vor 100 Jahren die ersten Anlagen zur Stromerzeugung mit Erdwärme entstanden. Nach einer Untersuchung des Geoforschungszentrums Potsdam könnten in Deutschland bis zu 29 Prozent des Wärmebedarfs aus derzeit bekannten Thermalwasserressourcen gedeckt werden.
Erneuerbare Energien
Energieträger, die im unbegrenzten Maße zu Verfügung stehen, wie Erdwärme, Sonne, Wasser, Wind und Biomasse.
Erneuerbare-Energien-Gesetz
Das "Gesetz über den Vorrang Erneuerbarer Energien" (EEG) ist am 01.04.2000 in seiner ursprünglichen Fassung in Kraft getreten. Die letzte Neufassung des EEG wurde am 01.08.2004 verabschiedet.
Das EEG schreibt die Aufnahme und Vergütung von regenerativ erzeugtem Strom aus Wasserkraft, Windkraft, Biomasse, Deponiegas, Klärgas, Grubengas und Photovoltaik durch den örtlichen Netzbetreiber vor.
Das EEG verpflichtet die Netzbetreiber zu einem Belastungsausgleich der eingespeisten Strommengen und der Vergütungen untereinander. Im Ergebnis liefern die Übertragungsnetzbetreiber allen Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die Letztverbraucher versorgen, eine (bezogen auf den an Letztverbraucher abgegebenen Strom) prozentual gleiche Strommenge aus regenerativen Erzeugungsanlagen zu einem bundesweit einheitlichen Preis.
Ersatzversorgung
Ersatzversorgung ist dann gegeben, wenn ein Kunde über das Energieversorgungsnetz der Allgemeinen Versorgung in Niederspannung Energie bezieht, ohne dass dieser Bezug einer Lieferung oder einem bestimmten Liefervertrag zugeordnet werden kann.
Die Energie wird in der Ersatzversorgung vom Grundversorger geliefert.
Die Ersatzversorgung erfolgt entsprechend der "Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Grundversorgung von Haushaltskunden und die Ersatzversorgung mit Elektrizität aus dem Niederspannungsnetz" (Grundversorgungsverordnung-StromGVV) in der jeweils gültigen Fassung.
Erweiterbare Energien
Erweiterbare Energien (z.B. Wind, Wasser, Sonne) sind im Gegensatz zu erschöpfbaren Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Gas nicht in ihrer Verfügbarkeit begrenzt. Sie werden häufig auch als regenerative Energien bezeichnet.
Euratom
(auch: Europäische Atomgemeinschaft) Euratom wurde 1957 zur Kontrolle und Koordinierung im Bereich der zivilen Nuklearwirtschaft gegründet.
EVU
Abkürzung für Elektrizitätsversorgungsunternehmen. EVU sind nach dem neuen Energie-Wirtschaftsgesetz alle Unternehmen und Betriebe, die andere EVU oder Endverbraucher mit elektrischer Energie beliefern.
Ex-ante-Regulierung
(lat. "im Vorhinein") Bei einer Ex-ante-Regulierung gibt der Gesetzgeber einen rechtlichen Rahmen per Gesetz vor. Die Umsetzung findet in der Regel durch eine Regulierungsbehörde statt.
Das Gegenteil von der Ex-ante-Regulierung ist die Ex-post-Regulierung.
Ex-post-Regulierung
(lat. "im Nachhinein") Bei der Ex-post-Regulierung entscheiden Unternehmen selbständig. Eine Behörde (z.B. das Kartellamt) kann Entscheidungen im nachhinein prüfen und Korrektureingriffe vornehmen.
Das Gegenteil von der Ex-post-Regulierung ist die Ex-ante-Regulierung.
Exajoules
Maßeinheit, die zur Darstellung des Weltenergieverbrauchs verwendet wird. 1 Exajoule entspricht 1 Trillion Joule oder 277,8 Milliarden Kilowattstunden.
Exit-Modell
Bei einem Exit-Modell fallen für den Energielieferanten nur am Entnahmepunkt (=Exit) Kosten an.
Beispiel: Der deutsche Strommarkt basiert auf einem Exit-Modell. Die Einspeisung von Strom in das Stromnetz (=Entry) ist an jedem Punkt kostenlos. Entsprechend wird beim Stromverbrauch (=Exit) eine Durchleitungsgebühr an den jeweiligen Netzbetreiber in Form eines Netzentgeltes fällig.


